Warum du nicht gehst, obwohl du weißt, dass es nichts wird
Kennst du das Gefühl, in der Liebe immer wieder zu investieren, obwohl du innerlich weißt, dass es kein gutes Ende nehmen wird? Nina Deißler beleuchtet in diesem Podcast genau dieses Phänomen – warum wir trotz aller Erkenntnisse am „falschen Automaten“ bleiben und wie wir den Mut finden, loszulassen und echte Liebe zuzulassen.
- Was bedeutet Verlustaversion und wie beeinflusst sie unsere Liebesentscheidungen?
- Das „Fantasiegebilde“ – warum wir uns oft in eine Möglichkeit verlieben und nicht in die Realität.
- Typische Beziehungsmuster wie Situationships, Achterbahnbeziehungen, Wertedissonanzen und narzisstische Verstrickungen.
- Wie du erkennst, ob du am falschen Liebesautomaten stehst und was du tun kannst, um auszusteigen.
- Drei klare Schritte für mehr Klarheit und Selbstverantwortung in der Liebe.
Verlustaversion: Warum wir weitermachen, obwohl es schmerzt
Stell dir einen Greifautomaten auf dem Rummelplatz vor: Du wirfst Geld ein, siehst das Stofftier schon fast in der Hand – und doch greifst du immer wieder daneben. Dieses Bild nutzt Nina Deißler, um ein menschliches Grundmuster zu erklären, das in der Psychologie „Verlustaversion“ heißt. Es beschreibt, wie viel schwerer wir Verluste empfinden als Gewinne. Der Schmerz, etwas zu verlieren, ist etwa doppelt so intensiv wie die Freude über einen gleichwertigen Gewinn.
Das führt dazu, dass wir oft eher weiter investieren – egal ob Zeit, Energie oder Hoffnung –, um einen vermeintlichen Verlust abzuwenden, selbst wenn das Mehrinvestieren uns immer mehr Kosten verursacht. Auf dem Rummelplatz sind es ein paar Euro, in der Liebe oft Jahre oder sogar ein ganzes Jahrzehnt.
Was Verlustaversion für deine Beziehung bedeutet
- Du bleibst in einer Beziehung, weil du schon so viel gegeben hast und nicht „verlieren“ willst.
- Gefühl von Treue und Durchhaltevermögen wird mit echter Liebe verwechselt.
- Verlustaversion kann dich daran hindern, loszulassen und einen befreienden Schlussstrich zu ziehen.
Das Fantasiegebilde vs. die Realität der Beziehung
Ein Muster, das Nina immer wieder in ihrer Arbeit beobachtet, nennt sie „das Fantasiegebilde“. Dabei verlieben wir uns nicht in den Menschen, der uns tatsächlich gegenübersteht, sondern in eine Idealversion, eine Hoffnung, eine Möglichkeit, die dieser Mensch sein könnte. Gerade die schönen, charmanten Momente erzeugen ein Bild, das wir anhaften wollen, auch wenn die Realität oft ganz anders aussieht.
Typische Kennzeichen des Fantasiegebildes
- Du konzentrierst dich in Gesprächen mehr auf das Potenzial und die guten Seiten als auf das, was wirklich ist.
- Wiederholtes Erklären und Entschuldigen von Verhalten, das dir weh tut.
- Unklare Beziehungsformate, die dich emotional in der Schwebe halten (z.B. Situationship).
Warum Beziehungen auf Realität basieren müssen
Letztlich funktionieren Beziehungen nur, wenn wir den Menschen wahrnehmen und akzeptieren, wie er wirklich ist – nicht, wie er sein könnte. Beziehungen brauchen Klarheit, Verlässlichkeit und echte Verbindung, nicht nur Hoffnung und Vorstellungskraft. Potenzial allein reicht nicht.
Verschiedene „falsche Automaten“ in der Liebe
Situationships – keine klare Beziehung, aber auch kein Freiraum
Situationships sind eine beliebte, aber oft frustrierende Form der Bindung: Da ist jemand, ihr trefft euch, erlebt Zuneigung, möglicherweise Sex, doch es fehlt die klare Vereinbarung und Verbindlichkeit. Du bist emotional und gedanklich gebunden, aber eigentlich in einer Warteschleife, in der sich nie etwas wirklich festigt.
Achterbahnbeziehungen – Drama und Versöhnung im Dauerzyklus
In dieser häufigsten Form der belastenden Bindung gibt es heftige Konflikte, Eifersucht und immer wiederkehrende Muster aus Schmerz und Versöhnung. Die intensiven Versöhnungen fühlen sich wie der ersehnte „Euro“ im Greifautomaten an, der Hoffnung weckt, obwohl sich das Muster nicht ändert. Leidenschaft wird oft mit Liebe verwechselt, obwohl sie allein eine Beziehung nicht tragen kann.
Wertedissonanzen – Unterschiedliche Zukunftsvorstellungen
Manchmal lieben sich zwei Menschen sehr, doch ihre Lebensentwürfe passen nicht zusammen. Ob Kinderwunsch, Fernbeziehung, kulturelle oder religiöse Unterschiede – wenn die fundamentalen Werte und Wünsche zu weit auseinanderliegen, entstehen Kompromisse, die häufig unglücklich machen. Das Hoffen auf eine Änderung des anderen bindet ebenso an einen Automaten, der keinen Gewinn bringt.
Narzisstische Beziehungen – die gefährlichsten Automaten
In narzisstischen Beziehungen steckt ein besonders tückisches Muster: Anfangs wird alles gegeben – Charme, Aufmerksamkeit, das Gefühl, die Hauptperson im Leben des Narzissten zu sein. Doch dann schleichen sich Kontrollmechanismen, Kritik und emotionale Manipulation ein. Die wenigen warmen Momente halten dich gefangen, auch wenn die Liebe auf Dauer schmerzt und zerstört. Das Stofftier gibt es nicht, der Automat ist von Grund auf darauf ausgelegt, dass du immer verlierst.
Erkenne, ob du am falschen Liebesautomaten stehst
Viele Menschen stecken lange fest, ohne sich das einzugestehen. Hier sind einige konkrete Anzeichen, die dir helfen können, ehrlich hinzuschauen:
- Du sprichst mehr über das Potenzial des anderen als über die tatsächliche Beziehung.
- Du musst das Verhalten deines Partners ständig erklären oder entschuldigen, um emotional klarzukommen.
- Die Beziehung ist unklar – du weißt oft nicht, was ihr eigentlich seid.
- Nach jedem Streit hoffst du auf eine Versöhnung als Beweis, dass es doch noch funktioniert.
- Du hast aufgehört, dich auf andere Menschen einzulassen, bist aber eigentlich auch nicht wirklich vergeben.
- Deine emotionale Energie ist aufgebraucht, weil du häufig wartest, hoffst und kämpfst.
Drei wichtige Schritte zum Ausstieg und zur Selbstbestimmung
Weil es nicht einfach ist, den falschen Automaten loszulassen, gibt Nina Deißler drei klare Empfehlungen für eine neue Haltung:
1. Schau auf das, was ist, nicht auf das, was war oder sein könnte
Sei ehrlich zu dir selbst: Wenn alles so bliebe wie heute, würdest du noch bleiben? Nur wer den gegenwärtigen Zustand annimmt, kann Schritte in eine neue Richtung gehen.
2. Sprich deine Wünsche klar und deutlich aus
Wenn du wissen möchtest, wo du stehst, formuliere deine Erwartungen ganz deutlich, ohne Spielraum für Interpretationen. Eine klare Ja-oder-Nein-Antwort schafft mehr Klarheit als vage Hoffnungen.
3. Entscheide dich für dich selbst
Der schwierigste, aber wichtigste Schritt ist, dich selbst und deine Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen. Du verdienst eine Beziehung, die sich sicher, getragen und erfüllend anfühlt – nicht eine, in der du ständig wartest und dich erklärst.
Fazit: Liebe mit Klarheit gewinnen – loslassen als mutige Entscheidung
Der „Greifautomat“ der Liebe macht uns deutlich, wie Verlustängste und Fantasien uns an falsche Menschen binden können. Doch das Stofftier gibt es nicht – weder im Rummelautomaten noch in einer Beziehung, die nur auf Potenzial oder Suchtmustern basiert. Echtes Loslassen ist keine Niederlage, sondern eine Befreiung. Es schafft Raum für echte, erfüllende Liebe, in der du du selbst sein darfst.
Nina Deißler begleitet seit mehr als 25 Jahren Menschen dabei, Klarheit in die Liebe zu bringen – ohne Spielchen, Druck oder endloses Hoffen. Wer mehr über dieses Thema erfahren möchte, dem empfiehlt sie auch ihr Buch „Du bist nicht beziehungsunfähig“, das tiefgreifende Fragen, Übungen und persönliche Erfahrungen bereithält, um alte Muster zu erkennen und umzuschreiben.
Der erste Schritt aus dem falschen Automat ist die Erkenntnis – hör genau hin, nimm dein Herz ernst und öffne dich für die Liebe, die dich wirklich erreichen möchte.







