Warum du immer wieder „Verrückte“ triffst – und wie du das heute ändern kannst
Fühlst du dich beim Dating manchmal wie im Irrenhaus mit WLAN, weil du ständig auf Menschen triffst, die emotional nicht gut tun? Du bist damit nicht allein. Viele kluge, reflektierte Singles erleben genau das und fragen sich: Warum finde ich immer wieder „Verrückte“? In dieser Episode des Mission Liebe Podcasts gibt Nina Deißler tiefgehende Einblicke, warum dein inneres Filtersystem dich gerade solche Menschen anziehen lässt und wie du deinen Radar neu kalibrieren kannst – hin zu echten, ruhigen und stabilen Beziehungen.
- Warum du nicht wirklich nur verrückte Menschen triffst, sondern dein inneres System daran schuld ist
- Das Retikuläre Aktivierungssystem (RAS) – dein unbewusster Beziehungsradar
- Die häufigsten Muster der Selbstsabotage beim Dating: Drama Junkie, Retter/in, Perfektionsfilter
- Konkrete Schritte, wie du dein inneres Filtersystem neu programmierst und gesunde Anziehung entstehen lässt
- Eine praktische Übung für dein nächstes Date: Freundlichkeit als wichtigster Indikator
- Warum Veränderung Zeit und bewusste Übung braucht, aber möglich ist
Warum triffst du immer wieder auf emotionale Baustellen?
Einer der klassischen Sätze, die Nina Deißler immer wieder hört, lautet: „Warum treffe ich ständig nur Verrückte?“ Die Wahrheit ist: Du triffst nicht einfach so nur Menschen mit emotionalen Problemen, sondern dein inneres Filtersystem lässt genau diese Menschen zu dir durch. Dein Gehirn sucht unbewusst nicht nach dem, was dir gut tut, sondern nach dem, was es kennt – was vertraut ist. Das ist das retikuläre Aktivierungssystem (RAS), ein Filter, der für dich täglich Millionen Informationen bewertet und entscheidet, was normal und sicher erscheint.
Das retikuläre Aktivierungssystem (RAS) – dein unsichtbarer Beziehungsradar
Das RAS entscheidet, welche Menschen dir auffallen, welche du für wichtig hältst, und welche fremd wirken. Es vergleicht deine Erfahrungen und geht am liebsten sicher: Das, was du bereits kennst, wird als vertraut eingeordnet – auch wenn es schmerzhaft oder chaotisch war. So kann es passieren, dass dein Radar auf dramatisch-unsichere Menschen eingestellt ist, weil du in der Vergangenheit gelernt hast, dass Nähe und Liebe mit Kampf, Unsicherheit oder Schmerz verbunden sind.
Ein Beispiel aus dem Alltag: Wenn du ein rotes Auto kaufen willst, entdeckst du plötzlich überall rote Autos – sie waren vorher auch da, nur hast du sie nicht bewusst wahrgenommen. Genauso geht dein Searching-Mechanismus mit Menschen um.
Warum sich Drama als „Liebe“ verkleidet
Was viele für prickelnde Chemie halten, ist oft nur alte Vertrautheit im Stressmodus. Das Kribbeln entsteht vom Stresshormon Cortisol, das sich aufregender anfühlt als das Bindungshormon Oxytocin. Stress und Drama können sich so anfühlen wie Liebe, obwohl sie eher Alarmzeichen deines Nervensystems sind.
Der Schlüssel ist zu verstehen, dass dein Nervensystem nicht zwischen gesund und ungesund unterscheidet, sondern zwischen vertraut und fremd. Und emotional stabiles Verhalten fühlt sich aktuell oft „langweilig“ an, während Drama nach deinem System das bekanntere Gefühl ist.
Die drei häufigsten Archetypen der Selbstsabotage beim Dating
In ihrer langjährigen Coaching-Erfahrung hat Nina Deißler drei Muster identifiziert, die Menschen unbewusst daran hindern, gesunde Beziehungen zu führen. Wenn du dich in einem dieser Archetypen wiedererkennst, ist das kein Grund zur Scham – im Gegenteil: Erkenne es als Chance, um bewusst gegenzusteuern.
1. Der Drama Junkie
- Verliebt sich in Intensität statt in stabile Gefühle
- Fühlt sich von Menschen mit Problemen oder Unsicherheit besonders angezogen
- Erlebt „gesunde“ Nähe als langweilig oder einschläfernd
- Hält Aufregung im Nervensystem fälschlicherweise für Leidenschaft
Der erste Schritt für Drama Junkies ist, sich selbst zu beobachten: Fühle ich mich wirklich glücklich oder nur aufgeregt? Distanziere dich vom Stressmodus und stelle deinem Nervensystem neue, stabile Erfahrungen zur Verfügung.
2. Der Retter / die Retterin
- Fühlt sich zu Menschen mit Verletzungen und Schwächen hingezogen
- Will helfen, heilen, retten – oft aus dem Bedürfnis heraus, gebraucht zu werden
- Souveräne, unabhängige Menschen verunsichern eher
- Manchmal Motivation über Leistung für Liebe oder Anerkennung
Hier gilt es ehrlich zu prüfen: Will ich diesen Menschen wirklich lieben oder mich nur gut fühlen, weil ich ihn „reparieren“ kann? Erkenntnis öffnet Raum für gesündere Beziehungsmodelle.
3. Der Perfektionsfilter
- Findet immer Fehler, Mängel oder Gründe, um Distanz zu wahren
- Vermeidet zu große Nähe aus Angst vor Verletzung
- Urteilt vor allem über Schwächen und damit über sich selbst
- Schützt sich so davor, wirklich verletzlich zu sein
Der Schritt hier ist, dich selbst beim Urteilen zu beobachten: Was würde passieren, wenn ich mich wirklich einlasse? Perfektionismus ist oft eine Schutzstrategie vor tiefer Verbindung.
Wie kannst du dein inneres Filtersystem neu ausrichten?
Das Ziel ist klar: Du möchtest einen „Radar“ haben, der dich auf echte Freundlichkeit, Respekt und Stabilität aufmerksam macht – anstatt auf Drama oder Unsicherheit. Das geht nicht über positives Denken allein, sondern über bewusste Wahrnehmung, praktische Übungen und neue Erfahrungen.
Schritt 1: Hör auf, nur nach „Chemie“ zu suchen
- Verstehe, dass „Chemie“ oft nur alte Vertrautheit ist
- Fokussiere dich stattdessen darauf, wie freundlich jemand zu dir und anderen ist
- Frag dich beim nächsten Date: Bin ich entspannt? Fühle ich mich respektiert?
- Freundlichkeit, Klarheit und Verlässlichkeit sind die Basis gesunder Anziehung
Schritt 2: Klarheit schaffen, was du nicht mehr willst – und das genaue Gegenteil definieren
Nimm dir bewusst Zeit und schreibe auf, welche Verhaltensweisen, Gefühle oder Situationen du in Zukunft nicht mehr erleben möchtest. Beispiele:
- Ich will keine Unsicherheit darüber, ob ich wirklich gewollt bin.
- Ich will nicht mehr um Aufmerksamkeit kämpfen müssen.
- Ich will keine ständige Analyse von Nachrichten verstehen müssen.
Plane gleich daneben: Wie sieht das genaue Gegenteil aus?
- Ich will Klarheit und Gegenseitigkeit.
- Ich will einen Partner, der ehrlich kommuniziert und Versprechen hält.
- Ich will Ruhe und Verlässlichkeit spüren.
Dieses schriftliche Klarwerden hilft deinem Gehirn und deinem RAS, neue, positive Kriterien zu erkennen und wertzuschätzen.
Schritt 3: Werde selbst das, was du suchst
- Wenn du Zuverlässigkeit willst, sei zuverlässig – auch dir selbst gegenüber
- Wenn du Respekt wünschst, gehe respektvoll mit dir um
- Wenn du klare Kommunikation suchst, sprich selbst offen und direkt
- Innere Stabilität ist die Basis für das Anziehen stabiler Liebe
Veränderung beginnt bei dir – mit deiner Haltung, deinem Selbstbild und deiner Bereitschaft, an dir zu arbeiten. Das ist der vielleicht unbequemste, aber auch wirkungsvollste Schritt.
Bewusst Üben: Freundlichkeit als Schlüssel bei Begegnungen
Nina gibt eine konkrete und einfache Aufgabe mit auf den Weg, um das neue Filtersystem zu trainieren:
- Schau dir in der nächsten Woche jeden Menschen an, der dir begegnet.
- Beurteile nur eine Eigenschaft: Freundlichkeit.
- Lass Status, äußere Merkmale, Drama oder Perfektion außen vor.
- Beobachte, was passiert und wie sich dein Fokus verändert.
Dieses Experiment hilft dir, deinen Blick zu verändern und neue Verbindungen jenseits alter Muster zuzulassen.
Fazit: Dein innerer Radar ist dein stärkster Verbündeter – wenn du ihn richtig einstellst
Du triffst nicht zufällig „Verrückte“ oder Drama-Partner, sondern begegnest deinem eigenen inneren Filtersystem. Es gilt, diesen Radar neu zu kalibrieren – hin zu gesunden, freundlichen, verlässlichen Menschen und Beziehungen. Das geht nur, wenn du bewusst deine Muster erkennst, ehrlich mit dir bist und aktiv neue Erfahrungen zulässt. Liebe beginnt nicht im Außen, sondern hier in deinem Inneren.
Wenn du bereit bist, alte Selbstsabotage-Muster aufzulösen und echte Verbindung zu schaffen, dann höre jetzt die komplette Podcastfolge und nimm die Impulse mit in deinen Alltag. Denn deine Liebe darf ruhig, klar und wunderschön sein – nicht laut und chaotisch.







