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Die zwei schockierendsten Einstellungen mit denen wir uns die Möglichkeit auf Liebe und Partnerschaft nehmen

 

Zwei aktuelle Fälle

Jetzt sind im Netz zwei Berichte und Videos aufgetaucht, die beide dieser Strömungen so derart übertrieben zeigen, dass mir in beiden Fällen die Worte fehlen:

Das erste Video „10 hours of walking in NYC as a woman“ zeigt etwa 6:30 Minuten lang eine attraktive Frau, die durch New York läuft und dabei von Männern angesprochen wird. Sieh selbst:

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=MBsig5edKNM&w=560&h=315]

Ja, einige der Männer sind durchaus auch „aufdringlich“ oder sagen nicht so charmante Dinge – doch sehr viele sagen einfach „Hey, wie beht’s Dir?“ oder „Hello Beautyful“ oder „Have a nice day“. All diese Kommentare werden von den Machern des Videos als „Sexuall harassment“ also als sexuelle Belästigung“ eingestuft.

Dazu muss man vielleicht noch wissen, dass es (anders als bei uns) in den USA absolut normal ist, wildfremde Menschen anzusprechen. Als ich mit meinem Mann (!) in New York war, wurden wir (!) ebenfalls sehr häufig angesprochen von allen Arten von Menschen. Dort im Vorbeigehen „How are you“ zu sagen, ist total alltäglich. Würde man 10 Stunden durch Hamburg oder München oder Berlin gehen, würde man vermutlich nur zwei oder dreimal überhaupt angesprochen.

Ja, der Mann, der ein paar Minuten neben ihr herläuft ist schon komisch – aber mal ehrlich: Vielleicht wusste er nicht, was er sagen soll und hoffte, dass sie ihm doch noch eine Chance gibt? Ja, das ist ungeschickt und dumm. Aber sie hätte ja auch einfach sagen können: „Lass mich bitte in Ruhe!“

In der deutschen Ausgabe der Huffington Post hat Torsten Heinrich einen ziemlich guten Artikel dazu geschrieben, der mir aus der Seel spricht: „Der wahre Skandal am 10 Stunden in New York Video„.

Bevor ich näher auf die Folgen eingehe, von denen auch Du betroffen sein wirst, hier noch das zweite – noch schockierendere – Video. Schockierend deshalb, weil bei „10 hours in New York“ wenigstens keiner der Männer wirklich akut zu Schaden gekommen ist. Anders als in diesem Fall:

Es handelt sich um ein Video mit Julien Blanc, der im Auftrag der Organisation „RSD Real Social Dynamics“ Seminare gibt, wie man Frauen klarmacht. Diese Organisation gib es auch in Deutschland. Ich kenne keinen der Trainer persönlich und kann daher nicht mit Gewissheit sagen, ob die Methoden und „Lehren“ der deutschen Trainer ebenfalls so menschenverachtend sind, wie das hier – doch in Japan passierte folgendes. Sieh selbst:

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=grV1iDns87s&w=560&h=315]

Julien Blanc erklärt in dem Video, dass es in Japan ziemlich zwecklos sei, ein Mädchen anzusprechen, weil die nur kichern und dann weglaufen würden. Der „Trainer“ rät also seinen „Schülern“, dass sie die Mädchen einfach am Kopf packen und zu ihrem Schwanz hinziehen sollen: „Head to dick“.

Weitere Hintergrundinformationen fand ich in einem Artikel in der taz: „Anbaggern oder Vergewaltigen. Dating-Tipps von Pick-up Artists„.

Auch dazu sollte man vielleicht wissen: Japaner sind eher zurückhaltende, höfliche Menschen, denen ein „Nein“ kaum von den Lippen geht – das gilt als unhöflich. Der Japaner sagt „ja“ und denkt sich seinen Teil oder versucht – z.B. als Frau durch „kichern und weglaufen“ unangenehme Situation unbedingt zu vermeiden und ihnen aus dem Weg zu gehen. Würde man(n) das in Deutschland versuchen, bekäme er vermutlich eine saftige Ohrfeige – das würde sich eine Japanerin jedoch niemals trauen.

Ich kann mich wie gesagt kaum entscheiden, was davon ich schlimmer finde – da beides gesamtgesellschaftlich gesehen für uns alle einen großen Schaden bedeutet:

Welche Folgen das hat

Fangen wir mal ganz einfach an: Kein Mensch ist auf Dauer gerne allein. Jeder Mensch sehnt sich auf die eine oder andere Weise (und in unterschiedlicher Gewichtung) nach Zuneigung, Bestätigung, Geborgenheit, Sexualität, Liebe, Nähe und so weiter. Die meisten Menschen möchten diese Bedürfnisse früher oder später durch eine Partnerschaft erfüllen. Also wird jeder, der keinen Partner hat, vermutlich irgendwann einen haben wollen.

Die meisten Frauen sind wählerischer als der Durchschnitt der Männer, denn sie haben mehr zu verlieren (mehr dazu in meinem aktuellen Buch „Mission Traumfrau. Gekonnt flirten, verführen und die richtige finden„). Sie möchten nicht dumm angemacht werden, möchten nicht mit einem Mann reden „müssen“, der ihnen nicht gefällt. Möchten nicht bilig oder zu bedürftig wirken. All das führt dazu, dass Frauen – wenn überhaupt – oft nur sehr zögerlich Signale senden oder erwidern, eher ablehnend oder misstrauisch auf Ansprache reagieren.

Die meisten Männer nehmen Frauen zunächst als „Gelegenheiten“ wahr. Sie haben viel eher den Wunsch eine Frau kennen zu lernen, sind in der Regel weniger misstrauisch und auch aufgeschlossener für eine Bekanntschaft – stehen aber vor dem Problem, dass ihre Zielgruppe – die Frauen – es meist eben nicht sind. Dass man dann auf die Idee kommt, seine Ansprache zu verbessern und seine Chancen bei möglichst vielen Frauen zu erhöhen ist sehr naheliegend und eigentlich auch lobenswert.

1. Problem: Angst

Jetzt allerdings kommt es zu einem schweren Denkfehler: Die meisten Männer haben Angst – und das ist ihre größte Blockade: Angst vor Ablehnung, Angst sich zu blamieren (vor allem vor den Kumpels), Angst, nicht gut genug zu sein. Angst, der Frau ausgeliefert zu sein, Angst sich ihretwegen zum Hanswurst zu machen. Die meisten Strategien zielen daher darauf ab, diese Angst zu überspielen und die Anzahl der Ablehnungen zu minimieren und dabei gleichzeitig die Frau zu dominieren und möglichst nicht emotional berührt zu werden (da man befürchtet, wenn man sich verliebt, macht man sich für die Frau zum Depp).

Fast alle Pick-up Artist werben mit Slogans wie „Wie Du bei garantiert jeder Frau landest“ oder „Wie Du jede Frau rumkriegst“ bzw. „Wie Du nie mehr einen Korb bekommst“ und ähnliches. Eine Frau würde niemals „Jeden Mann rumkriegen“ wollen. Warum ist das also für Männer so attraktiv?

Männer bewerten anders: Die Attraktivität eines Mannes für eine Frau setzt sich aus vielen kleinen Einzelteilchen zusammen – natürlich ist körperliche Attraktivität vielen Frauen sehr wichtig, doch für eine Frau ist es häufig attraktiver wenn ein Mann „interessant“ aussieht, nicht einfach „schön“. Das kann durchaus gewisse „Makel“ beinhalten. Doch wird ein Mann auch interessant durch seine Art, sein Verhalten. Durch seinen Humor, durch Charme, auch durch Geld, Macht oder Ruhm. Es ist wie bei einem Puzzle.

Bei einem Mann hingegen ist die Attraktivität eher „linear“ seinem „logischen Denken“ angepasst: Ist sie hübsch? Ja oder nein. Dann: Ist sie „erreichbar“ für mich? Ja oder nein. Und erst dann alle anderen möglichen Kriterien, die ihm wichtig sind wie: Ist sie nicht unbedingt auf den Kopf gefallen aber auch nicht schlauer als ich? (etwas überzogen ausgedrückt). Doch jedes weitere Kriterium wird erst wichtig, wenn das jeweils vorhergehende „bejaht“ werden kann.

Die „Bewertung“ der Attraktivität einer Frau ist für die meisten Männer also „einfacher“ und mit weniger Kriterien behaftet, die linear – also nacheinander (immer erst nach dem nächsten „ja“) relevant werden.

2. Problem: „Männliches Konkurrenzdenken“

Wenn Frauen über Männer reden, dann reden sie fast immer über die Beziehung: Was hat er gesagt oder getan, wie hat er das wohl gemeint, wie habe ich mich damit gefühlt und so weiter und so fort.

Wenn Männer über Frauen reden, dann hat das meist ähnliche Züge wie Gespräche über Fußball, Computerspiele, Technik, Autos etc: Da die meisten Männer in Männergesellschaften „konkurrierend“ kommunizieren (meins ist besser als deins), ist es, als ob in den meisten Männergesprächen Quartett gespielt würde. Männer lieben es, (sich) zu vergleichen. Reden sie über Frauen, wird dieser Kommunikationsstil meist beibehalten, was dazu führt, dass Bewertungskriterien für die Frau her müssen. Und so nimmt der Mann das erste, für ihn wichtigste Kriterium: Die äußerliche Attraktivität – und bewertet die Frauen in ihrem Aussehen von 1 (zum davonlaufen) bis 10 (das „HB“ – das „Hot Babe“).

Schon das alleine wird von den meisten Frauen als sexistisch, menschenverachtend und abwertend empfunden. Ist aber im Grunde gar nicht „persönlich gemeint“, sondern hat mit der männlich geprägten Denkweise und Kommunikationsstruktur zu tun.

Das eigentliche Problem ist, dass Männer, durch dieses Bedürfnis des Vergleichs und der Konkurrenz dann auch dazu neigen, sich aneinander zu messen, wenn es um den „Erfolg bei Frauen“ geht. Schon lange fällt mir auf, dass es bei den meisten „Pick up Gesprächen“ überhaupt nicht darum geht, die Frau für sich zu gewinnen bzw. dass es überhaupt nicht um die Frau geht, sondern darum, wie viele Frauen ein Mann ansprechen kann und ob er dann besser oder schlechter ist, als seine Kumpels. Ungefähr so, wie die Tore beim Fussball.

Dumm nur, dass man damit

a) die Intimsphäre von (weiblichen) Menschen stört oder sogar zerstört

b) (weiblichen) Menschen falsche Hoffnungen macht

c) (weibliche) Menschen missbraucht

….oder ihnen doch wenigstens die Zeit stiehlt.

Die ungewollten toxischen Nebenwirkungen

Doch was noch schlimmer ist:

Nach und nach spricht sich das unter Frauen herum und die Frauen werden immer misstrauischer, denn sie wollen verständlicherweise nicht das „Opfer“ eines Pickup-Artists werden, der sie vollquatscht oder sogar versucht auszutricksen, ins Bett zu quatschen etc. pp. nur weil er vor seinen Kumpels angeben und/oder sein schwaches Ego aufpolieren möchte. Auch sie haben also Angst (Siehe wieder Problem 1) und werden damit noch schwieriger ansprechbar.

Damit hat es dann ab sofort jeder Mann noch schwerer, selbst wenn er „ehrliche Absichten“ hat!

Die meisten Männer lässt jedoch auch die Sexismus-Debatte nicht kalt. Wenn „Hallo, wie gehts Dir“ jetzt bereits sexuelle Belästigung ist, wie soll man denn dann überhaupt noch eine Frau kennen lernen? Bei den meisten Männern führt das dazu, dass sie in ihrer Haltung Frauen gegenüber eher „abwartend“ und zögernd sind, da sie auch ein „deutliches Zeichen“ der Frau warten, dass der Kontakt zu ihnen erwünscht ist.

Damit haben wir Frauen uns eine echte Falle gestellt: Denn die meisten Frauen würden sich eher den rechten Arm abhacken, als einem Mann ein „deutliches Signal“ zu geben oder zuzugeben, dass sie ihn attraktiv finden!

Hinzu kommt, dass durch die Sexismusdebatte und die Art, wie in unserem Land Emanzipation propagiert und durchgesetzt wurde (nix gegen Gleichberechtigung und Emanzipation an sich – nein, wirklich: Vielen Dank dafür! Nur wie!? Und um welchen Preis?), viele Männer sich häufig direkt schuldig fühlen, wenn sie eine Frau begehrenswert finden bzw. sie schon so oft angeschnauzt und ihre Hilfsangebote von Frauen abgelehnt wurden, dass sie sich immer weiter zurückziehen.

Ja, meine Lieben – da haben wir uns echt die Karten ganz schön ungünstig gelegt, oder?

Als wäre es nicht ohnehin schon schwer genug einen passenden Partner zu finden – jetzt verhindern wir uns gegenseitig auch noch aktiv und geben uns noch mehr Grund für Angst, gegenseitiges Misstrauen und Vorurteile!

Reicht es nicht, dass Frauen von Natur aus ohnehin schon oft genugt misstrauisch und wählersich sind?

Frauen wollen nicht von jedem dahergelaufenen Mann vollgelabert werden, sie wollen keinen Sex haben bei dem sie sich nur benutzt fühlen, sie wollen nicht vergewaltig werden und auch nicht gelangweilt.

Männer wollen keine Fehler machen, sie wollen sich nicht blamieren, sie wollen sich nicht zum Depp machen – und sie wollen bei ihren Kumpels gut dastehen.

Und eigentlich wollen beide Geschlechter doch dasselbe: Sie möchten anerkannt, akzeptiert und respektiert werden. Sie wollen sich nicht verbiegen müssen und etwas darstellen müssen, was sie gar nicht sein wollen und auch nicht sind. Sie wollen sich sicher fühlen und gemocht werden. Sei wollen Spaß haben. Sich gut fühlen.

Genau deshalb bekomme ich mehr und mehr das Gefühl, dass ich – entgegen meines eigentlichen Plans – noch viel mehr Seminartermine anbieten muss. Denn genau deshalb zeige ich in meinen Seminaren, wie all das trotz dieser mehr als widrigen Umstände funktionieren kann

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Es geht nicht darum, einen Weg um die Angst herum zu finden: Es geht darum zu verstehen, dass niemand von uns Angst haben muss. Es geht darum zu verstehen, was uns voneinander entfernt und wie wir das ändern können. Es geht darum, was wir gemeinsam haben und gemeinsam wollen und nicht was uns unterscheidet – aber es geht auch darum, das was uns unterscheidet zu würdigen und Verständnis dafür zu entwickeln!

Ich freue mich auf Eure Kommentare.