Du hast die Wahl: (Dein) Geld ist Macht

Liebe

Nina Deißler

Liebe

18. November 2013

Kommentar Liebe

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Heute mal zum Thema „Leben“ und Bewusstsein im weitesten Sinne. Sehr untypisch – aber immer wieder sehr aktuell:

Sätze wie „Die machen doch eh was sie wollen“ und ähnliche kommen immer in unserer Gesellschaft hoch, wenn wir uns ohnmächtig und benachteiligt fühlen. Und   so mancher sich fragt, warum er überhaupt wählen gegangen ist.

  • Ist das Ganze ein abgekartetes Spiel und wir werden nur verarscht?
  • Bist Du als Mensch, als Bürger, eh nur dem ausgeliefert, was „die da oben“ sich so ausdenken?
  • Liegt die wahre Macht nicht ohnehin bei den multinationalen Konzernen?
  • Ist Politik nicht eigentlich sowieso nur Marionettentheater für’s Volk?
  • Haben wir überhaupt einen Einfluss?
  • Soll man überhaupt noch wählen gehen?

 

 

Ich gehe jeden Tag wählen.

Und das geht so:

Geld ist Macht – das ist allgemein bekannt. Wer am meisten Geld hat, hat am meisten Macht.

Also gilt auch für mich: Mein Geld ist Macht.

Nun habe ich vielleicht nicht unglaublich viel Geld – aber mein Geld ist meine Stimme:

Ich kann jeden Tag entscheiden, wem ich mein Geld – und damit Macht – gebe.

Mit dem Geld, das ich von meinen Klienten, meinen Verlagen (und damit von meinen Lesern) und meinen andern Arbeitgebern bekomme, bin ich verpflichtet, einen Beitrag zum „System“ zu leisten: Geld für Straßen, Beleuchtung, Polizei, Politik, Bildung und so weiter in Form von Steuern. Dazu kann ich nur alle paar Jahre mal in Form eines (oder mehrerer) Kreuzchen etwas aussagen und stimme damit jeweils einer bestimmten Grundrichtung zu. Ich akzeptiere, dass dann nicht alle Entscheidungen getroffen werden, wie ich sie gerne hätte – aber so von der grundsätzlichen Richtung her habe ich eine Wahl.

Das nennt man dann Demokratie… Und darüber sagte 1974 bereits Winston Churchill: „Niemand behauptet, dass Demokratie perfekt ist oder der Weisheit letzter Schluss. In der Tat wurde gesagt, dass Demokratie die schlechteste Regierungsform ist, mit Ausnahme all der anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert wurden.“

Wer glaubt, er lebe in einer Diktatur, der sollte vielleicht einfach mal ein paar Wochen durch Nordkorea reisen…

Aber zurück zur Wahl:

Geld ist Macht – und einen Teil meines Geldes gebe ich ab an Systeme, die ich demokratisch gewählt habe.

Mit dem Rest meines Geldes allerdings kann ich im Großen und Ganzen machen, was ich will.

Ich habe das Glück, in einer Marktwirktschaft zu leben – so konkurrieren verschiedene Konzepte in allen Lebensbereichen täglich um meine Gunst – und damit natürlich auch um mein Geld. Das Geld, das ich ausgebe, dient dazu, die Vertreter dieser Konzepte zu unterstützen.

Gehe ich zum Beispiel Lebensmittel einkaufen, dann werden von dem Geld, das ich im Laden lasse, zunächst die Mieten und Gehälter der Mitarbeiter des Ladens bezahlt. Dann will der Laden ja noch was verdienen und die höheren Angestellten wollen schöne Autos fahren und Golf spielen gehen… Dann zahle ich für die „Marke“, die ich kaufe – ich bezahle quasi mit meinem Geld die Werbung, die mir das Produkt vorher überhaupt erst bekannt gemacht hat. Und auch bei den Herstellern dieses Produkts gibt’s ne Menge Mitarbeiter, die Miete bezahlen wollen aber auch schöne Autos fahren und Golf spielen. Das ist okay soweit. Ich fahre ja auch gerne schöne Autos.

Worauf ich hinaus will ist:

Ich gebe nur einen Bruchteil des Geldes tatsächlich für das Produkt selbst aus – der Großteil des Geldes geht zu Menschen und deren Ideen und Werten.

Wenn also „Geld ist Macht“ hier zählt – und das tut es ja, kann man das Wort „Geld“ durch „Macht“ ersetzten und so heißt das: Der Großteil meiner „Macht“ fließt zu anderen Menschen und ihren Ideen und Werten.

Ich „ermächtige“ Menschen mit meinem Geld, das zu tun, was sie tun.

Mit anderen Worten: Mit jedem Cent, den ich irgendjemandem gebe, sage ich: „Ich finde gut was Du machst, mach weiter so!“

Genauso machen es meine Klienten und Teilnehmer: Wenn sie für meine Kurse und meine Hilfe bezahlen, sagen sie mir damit im Grunde: „Ich finde gut was Du machst, mach weiter so. “

Deshalb mache ich es genau so: Ich versuche, mein Geld so gut es geht an die Menschen weiterzugeben, denen ich sagen möchte: „Find ich gut, mach weiter so!“.

Natürlich kann man das nicht lückenlos wissen:

Wer weiß heute schon genau, welche Marken wem gehören und wer am Ende abkassiert? Gar nicht so einfach! Das stimmt – deshalb sollte man es auch nicht übertreiben.

Ich möchte Dich nur darauf aufmerksam machen, dass Du die Wahl hast – jeden Tag. Und dass Du etwas tun kannst.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es ein sehr befriedigendes Gefühl ist, das ganze einfach etwas bewusster anzugehen:

  • Ich habe zum Beispiel den Zusammenhang zwischen Fleisch essen und CO2 und auch Welthunger durchaus verstanden. Ich finde, dass ein paar Tage in der Woche vegetarisch und vegan zu leben und für mich und meine Gäste öfter mal lecker vegetarisch oder vegan zu kochen, besser ist, als das Problem mit schlechtem Gewissen zu ignorieren oder alle um mich herum zu belehren.
  • Ich liebe mein Auto und das Auto braucht Benzin – aber ich muss nicht überall mit dem Auto hinfahren… Zudem haben wir eine sehr nette, unabhängige Tankstelle im Nachbardorf, die meist nicht teurer ist als eine der großen Ketten. Hier geht zumindest ein Teil meines Geldes zu jemandem, den ich gut finde.
  • Gut 20 Euro kostet eine Biokiste, die einmal pro Woche von örtlichen Schümannhof geliefert wird. Biogemüse ist zwar teuer, doch im Grunde ist das nicht viel Geld – der Unterschied zum Discounter sind vielleicht 4 – 5 Euro die Woche – und ich finde gut, was die machen.
  • Ich kaufe keine Produkte, die erkennbar von Nestlé, Müller Milch oder Coca Cola hergestellt werden, weil ich nicht gut finde, was die machen.
  • Ich habe meine Konten überwiegend bei Banken, die entweder mir persönlich gegenüber schon „menschlich“ bzw. „menschenfreundlich“ gehandelt haben, oder die es sich ganz bewusst auf die Fahne schreiben (wie z.B. die GLS Bank)
  • Ich kaufe ganz bewusst nicht in Läden, von denen ich weiß, dass sie ihre Mitarbeiter oder ihre Zulieferer schlecht behandeln bzw. schlecht bezahlen. Das kann man zwar nicht immer wissen – aber wenn ich etwas erfahre, dann merke ich es mir und ziehe Konsequenzen, so gut es eben geht.

Ich habe in einer Reportage über Lebensmittel ein sehr interessantes Interview mit einem Marktleiter einer amerikanischen Supermarktkette gesehen und der sagte sinngemäß  folgendes: „Hey, wir sind Kaufleute. Das heisst, wir wollen Dinge verkaufen – davon leben wir. Wenn wir etwas ins Regal stellen und die Leute das nicht kaufen wollen, dann nehmen wir es aus dem Programm. Wenn wir merken, dass die Leute zum Beispiel Biojoghurt haben wollen und bereit sind, den Preis dafür zu zahlen, den wir haben müssen, um noch daran zu verdienen –  dann verkaufen wir ihnen sehr, sehr gerne Biojoghurt. Ist doch klar! Der Kunde hat die Macht – wir stellen das zur Verfügung, was unsere Kunden haben wollen.“

Und genau darum geht’s:

„Die da oben“ sind Konzerne – doch Konzerne haben ihre Macht nur durch unser Handeln: Geld ist Macht.

Also: Nutze Deine Macht – geh vernünftig wählen!