Typisch Mann – typisch Frau: So flirten wir!

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Nina Deißler

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„Typisch Mann“ oder „Typisch Frau“ – gibt’s das eigentlich?

„Typisch Mann!“, sagte neulich meine Freundin zu mir, als ihr Mann beim Einkaufen ausgerechnet das vergessen hatte, was sie unbedingt haben wollte… Und gerade wir Frauen sind ja ziemlich schnell dabei, immer dann „Typisch Mann!“ (mit einem entsprechenden Augenrollen) zu murmeln, wenn uns gerade mal irgendwas nicht so richtig passt, was „die Männer“ (meist ein bestimmter) so tun (oder eben nicht).

Auch in meinen Büchern „Klartext für Männer. Was Frauen wirklich wollen“ und „Klartext für Frauen: Wie man Männer anzieht, auszieht und glücklich macht“ geht es immer wieder um „typische“ Verhaltensweisen und auch in meinen Seminaren arbeite ich mit „rollentypischem Verhalten“ und werde dafür auch manchmal kritisiert.

Was genau ist denn eigentlich „typisch“?

Das Wort gibt ja den Hinweis, dass es etwas ist, was dem bestimmten Typ – in diesem Fall also dem Typ „Mann“ oder dem Typ „Frau“ – entspricht. Dabei gibt es selbstverständlich auch immer wieder Gegenbeispiele oder Ausnahmen. Na logisch – wäre doch auch schlimm, wenn wir alle gleich wären, oder?

Ich finde es zum Beispiel albern, wenn man Männern grundsätzlich unterstellen würde, dass sie sich nicht über Blumen freuen würden oder eher nur „hochprozentige“ Geschenke zu schätzen wüssten (worüber sich Andreas in seinem Blog geäußert hat). Genauso wie ich zum Beispiel tatsächlich total gerne in den Baumarkt gehe und es super fand, in unserem Haus mit dem Vorschlaghammer eine Wand einzureissen…

Was jedoch in meinem Seminar „Komm in Kontakt“ immer wieder auffällt, ist die Übung mit den Frauengruppen und den Männergruppen: Wir verhalten uns eben nun mal tendenziell unterschiedlich. Es gibt ganz klare Tendenzen bei den Teilnehmern:

Typisch Frau aus meiner Erfahrung

Viele Frauen tun sich tatsächlich schwer damit, jemandem klar „nein“ zu sagen – was im Flirt zur Folge hat, dass viele Frauen keine Signale senden, sondern sich tatsächlich sogar abwenden und „Desinteresse heucheln“, manchmal sogar negativ auf Kontaktaufnahme reagieren. Nach dem Motto: „Solang ich den Typ nicht kenne, ist es besser wenn ich ihn nicht näher kommen lasse, denn wenn ich erst mal mit ihm zu reden angefangen habe und dann feststelle, dass er doof ist, dann werde ich ihn nicht mehr los.“

Dies ist eine von sehr vielen Ängsten, die fast nur Frauen im Zusammenhang mit Kennenlernen und Flirten haben. Und das ist zwar sehr traurig – aber leider auch nicht zu ändern, dass Frauen in diesem Kontext allerlei Ängste und Misstrauen zu überwinden haben. Dies hat zur Folge, dass Misstrauen beim Erstkontakt für viele Frauen typisch ist (und deshalb, lieber Mann, auch tatsächlich nur wenig mit Dir persönlich zu tun hat):

  • Wir Frauen lernen von Anfang an, dass Männer gefährlich sind: Wir können von ihnen belästigt, vergewaltigt, geschwängert, verletzt, getötet werden. Das lernen wir in unserer Erziehung, in der Schule, in den Medien und leider auch so manches mal durch eigene Erfahrung.
  • Wir Frauen lernen, dass wir selbst nicht „zu leicht zu haben“ sein dürfen: Wir dürfen nicht billig wirken, nicht so wirken, als ob wir „es nötig“ hätten. Sprich: Man soll uns nicht anmerken, dass wir Sex auch gut finden könnten. Warum ist das so? Zum einen, weil es die o.g. Gefahren mit sich bringen könnte. Zum anderen aber auch, weil die Gesellschaft nach wie vor sexuell aktive und erfahrene Männer akzeptiert (zum Teil sogar bewundert: Casanova, Checker, Verführungskünstler, Frauenheld), sexuell aktive und erfahrene Frauen aber abwertet (Schlampe, Flittchen, Dorfmatratze).
  • Wir Frauen haben mehr zu verlieren: Nur 22 Prozent der weiblichen Singles in Deutschland kommen beim flüchtigen Date immer oder fast immer zum Orgasmus. Bei den männlichen Singles sind es 79 Prozent. So das Ergebnis einer Umfrage. Sprich: Da es für die meisten Frauen ohnehin schwieriger ist, einen Orgasmus zu bekommen, als für die meisten Männer – und fast jede Frau es schon mal erlebt hat, dass dies einem Mann herzlich egal war, möchte sie nach Möglichkeit sicherstellen, dass der Mann sich wirklich für sie interessiert und sie nicht einfach nur benutzen möchte.
  • Und dann hätten wir da noch die „Steinzeit“ Variante: Unser Unterbewusstsein könnte ggf. auch deshalb misstrauisch sein, weil ein Flirt die Möglichkeit von Sex bedeutet und Sex die Möglichkeit von Schwangerschaft und Nachwuchs – und den will man ja nicht von irgendwem 😉

Warum allerdings fällt es so vielen Frauen eigentlich schwer, einfach klar „Nein“ zu sagen, wenn sie irgendwas nicht wollen? Warum ist es so „Typisch Frau“ lieber misstrauisch zu sein oder „rum zu eiern“? Nun, weil man leider immer noch Mädchen viel mehr beibringt, dass sie „lieb sein“ müssen, dass sie beliebt sein müssen. Und das sie „schuld“ sind, wenn sie einem Mann Versprechungen machen.

Das ist vielleicht nicht jedem klar – aber viele Frauen haben ein furchtbar schlechtes Gewissen und fühlen sich schuldig, wenn sie jemanden „anlocken“ und ihn dann doch abweisen, weil sie das Gefühl haben, sie hätten ihm ja Hoffnung gemacht und würden ihn jetzt enttäuschen müssen… Viele Männer nutzen genau das aus, um gegen den eigentlichen Willen einer Frau Sex mit ihr zu haben. (Auch dass ein Vergewaltigungsopfer bei Anzeige einer Tat gefragt wird, was sie den anhatte, ist ein Teil dieser Denke.) Der Tweet von @MSOeming und die hunderte von Ergänzungen dazu machen das sehr deutlich – keine Frau will sowas.

Also ja, es ist zwar „Typisch Frau“, bei der Anbahnung eines Kontakts erst mal misstrauisch zu sein – aber es hat ganz offensichtlich ein paar durchaus nachvollziehbare Gründe. Was denkst Du?

 

Typisch Mann

Einen Mann nicht mehr loszuwerden, das haben viele Frauen tatsächlich schon erlebt – sie werden ihn eben genau deshalb oft nicht mehr los, weil es „typisch Mann“ ist, die weibliche Bekundung von Desinteresse (zögerliches Antworten, Einsilbigkeit u.ä.) so zu interpretieren, dass „Mann“ sich mehr Mühe geben müsse, um „Frau“ zu imponieren…

Warum?

Viele Männer haben die größte Angst vor der Ablehnung und einer damit möglichen Blamage. Das heißt, es ist – aus der Erfahrung meiner Workshops heraus – eher „typisch Mann“, auf subtile Signale nur zögerlich zu reagieren und zu Beginn eines möglichen Flirts eher vorsichtig zu sein. Ist diese Angst jedoch überwunden bzw. hat sich nicht bestätigt und es ist ein Kontakt entstanden, dann gibt es nur noch wenig, was ihn aufhalten kann. Es muss also von Frauenseite schon ein sehr deutliches Signal kommen, wenn der Kontakt nicht (oder nicht mehr) erwünscht ist.

Eben genau das klare „Nein“, das vielen Frauen so schwer fällt, weil es häufig ihrer Erziehung und dem Selbstbild widerspricht. Für einen Mann ist ein Flirt mit einer Frau im ersten Moment einfach eine „Gelegenheit“ – eine Chance. Und wenn sie sich eröffnet, dann will er sie auch nutzen und möchte, wenn möglich: Gewinnen! Genau das ist der Grund, warum es typisch Mann ist, nicht so schnell aufzugeben. Eigentlich ja sogar eine gute Eigenschaft – nur eben leider manchmal im falschen Kontext.

Leider auch typisch Mann: Viele (nicht alle!) Männer tun sich schwer damit, einfach nur so zu plaudern und eine Beziehung über das Gespräch zu entwickeln. Männer möchten häufig lieber ein klares Ziel erreichen, Informationen gewinnen und beeindrucken durch Kommunikation. Beziehungen entwickeln und pflegen Männer häufig darüber, dass sie etwas zusammen machen! Beziehungsaufbau erfolgt also nicht zwangsläufig über das Reden und das verbale Ausloten von Gemeinsamkeiten.

Deshalb kann ein Gespräch bei einem Flirt oder einem Date für eine Frau manchmal anstrengend, langweilig oder auch missverständlich sein:

Wie oben beschrieben müssen Frauen in einer Begegnung erst mal die genannten Faktoren des Misstrauens überwinden – und dann langsam Vertrauen zu einem Mann aufbauen, um sich für ihn begeistern zu können. Da ein Mann all das nicht hat, kann er sich sehr viel schneller für eine Frau begeistern. Es ist also durchaus möglich, dass er sie bereits nach wenigen Sätzen toll genug findet, um sie erobern zu wollen. Typisch Mann ist es in diesem Moment, sie beeindrucken zu wollen – und genau da finden wir den nächsten Stolperstein:

Die wenigsten Frauen lassen sich durch Erzählungen und Eigenlob beeindrucken – sie wollen in diesem Moment ja nicht „beeindruckt“ werden, sondern sie möchten Vertrauen aufbauen, Nähe herstellen und selbst gesehen werden. Das ist es, was viele Männer zunächst richtig machen, die dann später in der „Friendzone“ landen: Sie haben gelernt, zuzuhören und Interesse zu zeigen.

Was machen diese Männer falsch? Lies hier „Raus aus der Friendzone!“

Raus aus der Friendzone

 

Fazit: Ja, wir sind unterschiedlich!

Und das ist auch gut so… Es ist doch gerade das, was uns anzieht. Das wir eben nicht „gleich“ sind!

Menschen – Männer wie Frauen – vereinfachen Dinge gerne. Vorurteile helfen uns, die Welt für uns „leichter“ zu machen und irgendwie auch „sicherer“. Doch manchmal machen wir es uns vielleicht auch zu leicht, wenn wir das, was uns nicht passt dann einfach mit „Typisch Mann“ (oder eben „Typisch Frau“) in eine Schublade packen.

Männer und Frauen produzieren unterschiedliche Hormone, haben zum Teil unterschiedliche Bedürfnisse, unterschiedliche Arten Dinge wahrzunehmen und kommunizieren teilweise unterschiedlich aus unterschiedlichen Motiven heraus…

Ich bin dafür, nicht über das zu schimpfen, was uns unterscheidet, sondern das zu lieben, was uns verbindet und das zu pflegen, worin wir uns ergänzen!

 

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