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Welchen Einfluss haben die Eltern auf Liebe und Beziehung?

Einfluss der Eltern auf Liebe und Beziehung

Warum haben unsere Eltern Einfluss darauf, wie wir uns in Sachen Liebe und Beziehung verhalten?

Wir lernen von unserer Umgebung als Kinder nicht nur Sprechen, Laufen, Essen und Hygiene, sondern auch die wichtigsten „Dos & Don’ts“ im Leben. Doch die meisten Dinge lernen wir nicht durch aktives Lehren und Lernen, sondern durch „Abschauen und Nachmachen“.

Und so lernen wir mit der Zeit auch vor allem von unseren Eltern zum Beispiel Dinge wie

  • Wie wichtig ist es, was andere über uns denken?
  • Wie liebenswert bin ich?
  • Wie zeigt man seine Liebe?
  • Wie streitet man sich?
  • Wie redet man miteinander?
  • Was bedeutet es, in einer Beziehung zu sein?

All das „lernen“ wir meist, ohne dass jemand es uns bewusst zeigt oder uns dazu auffordert. Bis zum Alter von ungefähr 6 Jahren ist unser Gehirn in einem Zustand, in dem es darauf ausgerichtet ist, alles was wir sehen und hören einfach aufzusaugen und zu speichern:

Wenn wir geboren werden, ist unser Gehirn – ähnlich wie bei einem neuen iPod – relativ leer. Es möchte gefüllt werden: Wir lernen. Schon sehr früh in unserem Leben beginnen wir das, was wir sehen und hören, nachzuahmen. Jeder kennt das von kleinen Kindern.

Was uns oft nicht bewusst ist:

Wir ahmen nicht nur Sprache und Gesten nach, sondern speichern auch komplexere Strukturen wie zum Beispiel typische Verhaltensmuster in sozialen Situationen, wovor wir uns fürchten sollten oder was wir wichtig finden müssen. Es ist ein bisschen, als würde in unserer Kindheit eine Art „Auto-Pilot“ programmiert.

Dieser Auto-Pilot ist wichtig für uns, denn müssten wir als Erwachsene jeden Tag unsere Umwelt neu bewerten, unser Verhalten neu überdenken und erst mal „ausknobeln“, was da gerade passiert und was wir damit anfangen können und müssen: Wir wären nach wenigen Minuten heillos überfordert und nicht lebensfähig.

Deshalb ist es wichtig zu erkennen:

Prägung und Erziehung sind grundsätzlich eine gute Sache!

Es ist unglaublich wichtig, dass wir von unseren Eltern dahingehend von Anfang an „beeinflusst“ werden: Es ist im Grunde die Aufgabe der Eltern, beim Nachwuchs dafür zu sorgen, dass dieser sich möglichst gut in der Welt zurecht findet. Vieles davon geschieht nebenbei durch die Vorbildfunktion. Deshalb ist es für die Erziehung auch sehr viel wichtiger, ein gutes Vorbild für seine Kinder zu sein, als ihnen fortwährend zu sagen, was sie tun sollen.

Problematisch ist das für jeden, wenn die Eltern sich selbst in der Welt nicht gut zurecht gefunden haben. Wenn ein Elternteil krank war, hat das Einfluss. Wenn Eltern sehr ängstlich oder misstrauisch waren, wird das zunächst vom Kind nicht infrage gestellt. Diese Beobachtungen übertragen sich zunächst auf das Kind.

Später als Erwachsene haben wir die Wahl, wie wir uns dann tatsächlich verhalten möchten.

Gerade in der Pubertät kommt es häufig vor, dass wir – als Prozess der Loslösung von den Eltern – das genau Gegenteil von dem sein wollen, was die Eltern uns vorgelebt haben. Viele Jugendliche rebellieren, indem sie sich gegen die Werte und Einflüsse der Eltern stellen und ganz anders sein möchten.

Manche Menschen tun dies sogar ihr ganzes Leben lang.

Ein kleiner Denkfehler: Wenn Du das Gegenteil von dem sein und tun willst, was Deine Eltern sind (oder waren) und getan haben, beziehst Du Dich damit immer noch auf sie. Du bist also kein „freier Mensch“, auch wenn Du das Gegenteil Deiner Eltern bist, solange Du Dich auf sie beziehst.

Deine Eltern beeinflussen Dich in Deinen Werten und Verhaltensmustern und haben damit auch Einfluss auf Liebe und Beziehung, auf Deine Partnerwahl und sogar darauf, was Dich anturnt. Der Einfluss unserer Eltern auf unsere Beziehungen ist nicht klein – aber es ist zum Glück „nur“ ein Einfluss. Er ist nicht „alles bestimmend“.

 

Einfluss der Eltern auf unser Bild von Beziehung und Liebe

Entscheidend für unsere Beurteilung des abstrakten Begriffs „Liebe“ ist, was wir von unseren Eltern darüber „gelernt“ haben:

Unsere Beziehung zum Vater und zur Mutter und deren Beziehung zueinander sind unsere ersten und stärksten Modelle und damit  Prägungen für alles, was in unserem späteren Leben mit Liebe zu tun hat. So kann auch ein Mensch, der eigentlich gar nicht „unser Typ“ ist, durch eine bestimmte Verhaltensweise oder seine generelle Art etwas in uns berühren, das ein Gefühl von Verliebtheit auslöst. 

Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass es für das Zusammenleben in der Beziehung so eine Art „ungeschriebene Gesetze“ gibt, die jeder von uns unbewusst durch Nachahmung erlernt. Nachahmung dessen, was einem in der Ursprungsfamilie vorgelebt wurde – unbewusste Verhaltensweisen, Denkweisen, Muster, Glaubenssätze, „Regeln“ wie eine Beziehung sein soll und wie man selbst in der Beziehung sein soll, darf oder sogar muss. Durch die starke Veränderung unserer Gesellschaft in den letzten 50 – 60 Jahren allerdings, sind viele dieser „Regeln“ für Beziehungen nicht mehr sinnvoll oder zum Teil auch nicht mehr anwendbar.

Und so kann das Vorgelebte zwar sogar „gut gemeint“ sein, aber eben für Liebe und Beziehung im 21. Jahrhundert nicht mehr sinnvoll. Dennoch wirkt es in Dir, weil Du es so „gelernt“ hast. Und wenn Du es nicht ganz bewusst infrage stellst, wird es zum Saboteur für Dein Liebesleben!

In der Generation unserer Großeltern waren Mann und Frau in einer Partnerschaft aufeinander angewiesen. Durch die äußeren Umstände (wie z.B. Krieg) beschränkten sich die Bedürfnisse und der Lebensinhalt häufig nur auf das Überleben und die Sicherheit und man hatte gegenseitige Wertschätzung füreinander für die Erfüllung dieser Anforderungen und Bedürfnisse. Die wichtigen Dinge des Lebens – auch innerhalb der Partnerschaft – spielten sich in den beiden untersten Ebenen der menschlichen Bedürfnisse ab: Grundbedürfnisse und Sicherheitsbedürfnisse. Eine Ehe war gekennzeichnet durch zum Beispiel Verlässlichkeit auf den Partner. Es war überhaupt keine Zeit und Energie und daher auch kein Bedarf da, sich darüber Gedanken zu machen, ob man sich in der Partnerschaft auch „verwirklichen“ kann.

Heute ist das ganz anders. Und so kann es passieren, dass wir die Ehe unserer Eltern für schlecht halten, weil sie unseren heutigen Bedürfnissen nicht gerecht wird.

Es kann sogar sein, dass Deine Eltern ihre Ehe für schlecht halten, weil sie auch ihren heutigen Bedürfnissen nicht mehr gerecht wird – und weil ihnen gar nicht bewusst ist, dass sie ihre Beziehung auf Basis von Werten eingegangen sind, die damals vielleicht schon überholt waren… Aber sie haben sie (ohne sie infrage zu stellen) von wiederum ihren Eltern übernommen.

Das Problem dabei: Die vielen Missverständnisse

Uns ist in der Jugend und Kindheit ja überhaupt nichts von diesen Zusammenhängen bewusst. Wir sehen vielleicht nur:

  • Die Eltern streiten sich
  • einer verlässt den anderen
  • einer von beiden ist unglücklich
  • beide sind unglücklich
  • einer meckert immer
  • einer kann nie machen was er will
  • einer dominiert den anderen
  • einer muss es dem anderen immer recht machen
  • einer kann es dem anderen nie recht machen

Und wir hören vielleicht auch Dinge, die wir besser nicht hören sollten – und glauben sie:

  • Männer sind….
  • Frauen sind….
  • Dein Vater ist….
  • Deine Mutter ist…
  • Als Mann musst / bist Du….
  • Als Frau musst / bist Du…..

Und zunächst bleibt uns gar keine andere Wahl, als das zu glauben. Wir haben ja erst mal keine weiteren Informationsquellen. Und so formen diese Beobachtungen und Aussagen unsere Welt und unser Bild von Liebe und Beziehung.

Selbst wenn wir nur mit einem Elternteil aufwachsen, beeinflusst uns das – auch hinsichtlich des jeweils anderen Geschlechts.

Wie unsere Eltern mit sich selbst in der Beziehung, miteinander und mit uns umgingen, das ist für uns zunächst die prägende Grundstruktur, wie das grundsätzlich alles so läuft mit der Liebe – und auch mit den Beziehungen.

Doch hat auch jedes Elternteil für sich nochmal einen gesonderten Einfluss auf einen Sohn oder eine Tochter:

 

Wie Dein Vater dich in Liebe und Beziehung beeinflusst

Ergänzend dazu kannst Du hier meinen Podcast zum Thema anhören:

Für die Männer gilt, dass der Vater erst mal das Vorbild ist in Sachen „Wie ist man ein Mann“ und „Wie ist man ein Partner“. Er ist Deine erste Referenz. Und je nachdem, wie glücklich er selbst damit war und wie Deine Mutter darauf reagiert hat, ist er für Dich ein erstrebenswertes Vorbild oder eher ein „Anti-Held“.

Viele Männer heute beklagen, dass ihr Vater

  • kaum anwesend und deshalb nicht hilfreich war in der Rollenfindung
  • emotional unzugänglich war
  • ein A…. war und die Mutter sehr darunter gelitten hat
  • schwach und deshalb kein gutes Vorbild war

„Schlechte“ Väter – egal ob unzugänglich, abwesend, herrisch-dominant oder schwach – sind leider eher die Regel als die Ausnahme. Es ist eine traurige Folgeerscheinung von zwei Weltkriegen in der jüngeren Vergangenheit, die gerade bei den Männern (aber auch in vielen Familien generell) stark traumatisierte und demzufolge emotional verstümmelte Menschen hervorgebracht hat.

Wenn Du genauer hinschaust, wirst Du bei fast jedem „schlechten“ Vater feststellen, dass er entweder keinen oder selbst auch einen „schlechten“ Vater hatte. Das macht jetzt zwar Deine Erfahrung nicht besser – aber vielleicht kannst Du es schaffen zu erkennen, dass Dein Vater selbst auch eher ein Opfer als ein Täter war/ist.

Gut genug für den Vater?

Viele Männer verzweifeln auch daran, wenn sie sich mit dem Vater messen wollen oder der Vater sie selbst ständig an seinen Leistungen und Errungenschaften gemessen hat (oder es immer noch tut). Denn das führt dazu, dass man glaubt, dem Vater nicht gut genug zu sein und sich ungeliebt und unwert fühlt. Leider ist diese Form der „Motivation“ bis heute verbreitet obwohl doch inzwischen bekannt sein dürfte, wie viel Schaden sie anrichtet.

Tatsächlich ist das nämlich meist nur der (stümperhafte) Versuch eines Vaters, den Sohn zu motivieren und ihn anzuspornen, etwas aus sich zu machen.

Was ein schlechte Selbstwertgefühl und das Gefühl, nicht geliebt worden zu sein oder nicht „männlich genug“ zu sein mit einem Mann auch in Sachen Liebe und Beziehung machen können, muss ich hier vermutlich nicht näher beschreiben. Jeder Betroffene weiß es selbst nur allzu gut. (Übrigens: Wenn Du davon betroffen bist, rate ich Dir zu meinem Workshop „Mission Liebe“ – Info und Termine hier >>>)

Bei Männern, die einen so „schlechten Vater“ hatten, dass sie ihn ablehnen, kann dies sogar dazu führen, dass sie „Männlichkeit“ als solches und alles, was sie damit assoziieren generell ablehnen. Doch auch das hat dann natürlich großen Einfluss darauf, wie Du Dich Frauen gegenüber verhältst und wie es in Sachen Liebe und Beziehung läuft, wenn Du heterosexuell bist, aber eigentlich kein Mann sein willst. Männer, die häufig mit Frauen in der Friendzone landen, haben oft dies als Hintergrund.

 

Väterlicher Einfluss auf Beziehungen bei Frauen

Auch Frauen können in Sachen Liebe und Beziehung stark vom Vater beeinflusst werden:

Der Vater ist der erste Mann in Deinem Leben – wie er mit Dir umging und wie erreichbar und zugänglich er für Dich war, prägt Dich. Wenn Du beispielsweise einen emotional unzugänglichen Vater hattest und Du darunter als Kind gelitten hast, kann es sein, dass Dich das auch als Erwachsene noch „kickt“:

Unser Unterbewusstsein steht vor einem Problem, das nicht lösbar war: Was kann ich tun, um geliebt zu werden? Was kann ich tun, um endlich die Aufmerksamkeit, Nähe und Zuneigung zu erhalten, die ich mir gewünscht habe?

Gerade bei den Vätern zählte häufig Leistung zu einem der wenigen Möglichkeiten, positive Aufmerksamkeit zu erhalten und so sind Töchter von emotional unzugänglichen Vätern häufig z.B. Leistungssportlerinnen, hochdekorierte Akademikerinnen, erfolgreiche Geschäftsfrauen im höheren Management usw. Das ist ja grundsätzlich etwas Gutes! Traurig ist es nur, wenn es sie selbst nicht glücklich macht, wenn sie all das eigentlich nur erreicht haben, weil sie ihrem Vater „gut genug“ sein wollten und sich dadurch mehr Nähe und Zuneigung erhofft haben.

Es führt häufig auch dazu, dass man sich als erwachsene Frau „Ersatz-Mitspieler“ für das kindliche Drama sucht:

Wer als Kind die Nähe und Zuneigung eines unnahbaren oder „schwierigen“ Vaters nicht erringen konnte, sucht sich als Erwachsener häufig unnahbare oder „schwierige“ Männer und versucht es dort.

Siehe: Warum Du noch nie „den Falschen“ hattest

Der Paarpsychologe Dr. Michael Lukas Moeller beschreibt in seinen Büchern sehr anschaulich (aber auch ein wenig verstörend), wie sich Anziehung zwischen zwei Menschen entstehen kann: „Unbewusstes erkennt Unbewusstes irrtumslos“ erklärt er: „Mit geistergleicher Genauigkeit“, wie Moeller es nennt, suchen wir uns einen Menschen aus, der zwei Eigenschaften für uns verkörpert: Die Möglichkeit, traumatische Beziehungserlebnisse zu reinszenieren und die Aussicht, diese mit diesem oder durch diesen Menschen auflösen zu können.

Man könnte auch sagen: Ohne dass wir es bewusst steuern, verlieben wir uns in einen Menschen, der Emotionen in uns auslöst, an die wir alleine nicht herankommen, die aber irgendwie wichtig für uns sind. Etwas in der Ausstrahlung dieses Menschen zieht uns magisch an. Und das muss eben leider nicht immer etwas „Positives“ sein. 

Mein Vater, der Held – ich die Retterin?

Bei manchen Frauen kann es auch passieren, dass sie ihren Vater so idealisieren, dass ihnen kein „normaler“ Mann gut genug ist. Sie wollen einen Mann, der mindestens „so gut“ ist, wie der Vater. Es ist so ein Art umgekehrter „Ödipus-Komplex“, der hier am Werk ist. Und natürlich findet sich auch kein Mann, der dem entsprechen würde.

Manchmal kann auch dahinter stecken, dass man sich als „bessere Partnerin“ für den Vater sah, als es die Mutter war:

Dieses Phänomen habe ich häufig beobachtet bei Frauen, die sich immer wieder in verheiratete Männer verliebten: Sie haben ein Faible entwickelt für „unglücklich verheiratete Männer“ und fühlen sich (unbewusst) wohl in der Rolle der „besseren Frau“. Nur dass diese Rechnung nur selten aufgeht.

 

Wie Deine Mutter dich in Liebe und Beziehung beeinflusst

Ergänzend dazu kannst Du hier meinen Podcast zum Thema „Mutter und Beziehungen“ anhören:

 

So wie bei der Frau der Vater, ist beim Mann die Mutter die erste Frau und damit quasi „die erste große Liebe“. Freud spricht hier vom „Ödipuskomplex“ – und man muss dem alten Sigmund gar nicht glauben oder folgen, um zu wissen: Bei der Mutter gibt es direkt zum Lebensanfang regelmäßig Nähe, Wärme und Futter. Und das ist erst mal eine gute Erfahrung. 

Manche Psychologen behaupten sogar, dass sich daraus die große Faszination vieler Männer für den weiblichen Busen erklären ließe. Wer weiß? Grundsätzlich jedoch ist die Mutter – gerade wenn sie die Hauptperson in der Erziehung ist – eine Bezugsperson, die sehr ambivalente Gefühle auslösen kann:

Die französische Psychoanalytikerin Christiane Olivier ergänzte die Freud’sche Betrachtungsweise des Ödipuskomplex um eine weibliche Perspektive: Während Freud in seiner Betrachtungsweise von einer „Kastrationsangst“ spricht, führt Olivier unter anderem den Wunsch nach Unabhängigkeit von der Mutter an: 

Die Entwicklung eines Mannes beginnt damit, dass die Mutter sein erstes Liebesobjekt ist. Die Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem Kind ist die Basis für alles, was später im Zusammenhang mit dem Begriff „Liebe“ erwartet und erlebt wird. Ambivalent wird die Beziehung, wenn das Kind sich von der Mutter eingeengt fühlt:

Schon sehr früh in der Kindheit streben vor allem kleine Jungs danach, „die Welt zu entdecken“ und es ist in der Regel eine Frau (meist die Mutter, später dann Erzieherinnen, Lehrerinnen), die sie immer wieder davon abhält. Noch stärker ist dieser Effekt bei Söhnen alleinerziehender Mütter, wo der Sohn der einzige Mann ist, den sie ihr Leben lang haben wird – all ihre Liebe und all ihre Fürsorge konzentrieren sich noch stärker auf diesen einen Mann. Gleichzeitig jedoch wird der Sohn auch Zielperson für all ihre Ängste, alle Vorwürfe an das andere Geschlecht und natürlich auch ihre Kontrolle…

Je mehr eine Mutter versucht, ihren Sohn vor Schaden zu bewahren, desto mehr erlebt der Sohn die Liebe der Mutter als kontrollierende, beengende Instanz. Gleichzeitig jedoch will er natürlich auch die Anerkennung und Liebe der Mutter gewinnen, so dass die Kindheit ein stetiger Kampf um Unabhängigkeit von einer Frau ist, den er nicht gewinnen darf, weil er dabei die Frau verlieren würde, die er liebt. 

Sehnsucht und Angst

Männliche Kinder erfahren so die Sehnsucht der Mutter nach Liebe und Nähe in Kombination mit Fürsorge aber auch Verboten als einengendes Element. Ein Junge lernt hier schon sehr früh, dass die Liebe einer Frau auch etwas mit „Freiheitsberaubung“ zu tun hat und er sucht sich seinen eigenen Weg, damit umzugehen. Verzichten will ein Mann in der Regel nicht auf Liebe – bedeutet sie im Erwachsenenalter unter anderem ja auch Anerkennung, Sex und Geborgenheit. Sieht er jedoch seine Freiheit in Gefahr, wird er Mittel und Wege suchen (und finden) beides zu haben. 

Ein Mittel zu dem viele Männer schon im Kindesalter greifen ist, sich in Sachen Liebesbekundungen zurück zu halten:

Zeigt ein Mann Zuwendung und Zärtlichkeit und drückt diese auch verbal aus, gibt er damit der Frau Macht über sich. Zumindest wird dies von Männern so erlebt und erklärt damit sehr einleuchtend, warum manche Männer sich so schwer tun, ihre Gefühle zu zeigen oder gar zu artikulieren.

Viele Männer haben davon auch das innere Bild und den Wunsch, sich auf keinen Fall von einer Frau „kriegen zu lassen“. Ein Mann, der innerlich sehr unsicher ist und Angst davor hat, von einer Frau vereinnahmt zu werden, wenn er tatsächlich Gefühle für sie entwickelt, wird sich damit schützen, sich nie ganz und gar auf eine Beziehung einzulassen. Er wird sich – im Gegenteil – stetig darin weiterbilden, Frauen zu manipulieren, um das zu erhalten, was er sich von Frauen wünscht (Zuneigung, Zärtlichkeit und Sex) ohne sich dabei selbst „in Gefahr“ zu begeben, sprich sich auf eine partnerschaftliche Beziehung mit einer Frau einzulassen, da er stets befürchten muss, dass die Liebe ihm die Freiheit und die Selbständigkeit raubt. 

Auch für auch Selbstvertrauen und Selbstverständnis eines Mann kann die Mutter großen Einfluss haben: Mütter, die sehr über den Vater (oder Männer im allgemeinen) geschimpft haben, machen Selbstvertrauen des Mannes kaputt: Er will nicht so sein wie diese Männer. 

Manchmal werden Jungs von Ihren Müttern als „Ersatzpartner“ missbraucht – zum Reden, für die Nähe, für die Zusammengehörigkeit. All das kann bei einem Mann zu regelrechtem Hass auf Frauen und zu Frauenfeindlichkeit führen – der Ursprung bei der Mutter hat. Denn: Gegen die Mutter konnte man sich nicht wehren – aber gegen die anderen Frauen schon! 

Das ist zwar auch für die Frauen unschön – aber für die Betroffenen Männer häufig noch schlimmer, weil sie immer damit leben müssen: Wenn sie heterosexuell sind – sie haben Sehnsucht und gleichzeitig Hass – und hinter dem Hass steht verdrängte Angst.

 

Einfluss der Mutter auf Beziehungen bei Frauen

Unser Wunsch nach Selbstverwirklichung und/oder Karriere und dabei mobil und aktiv zu sein, passt häufig nicht zusammen mit dem Bild, das wir nach wie vor von Beziehung und Familie haben – und das häufig von unserer Mutter geprägt wurde:

Traditionell mit klassischer Rollenverteilung mit einer Mutter, die sich mit ihrer Mutterrolle identifiziert – was für Frauen bedeutet, ihr Leben (und ihre Ziele) der Familie widmen zu müssen, löst bei vielen Frauen heute eher Fluchtreflex aus. Und damit zwar die Sehnsucht nach einer Partnerschaft – aber gleichzeitig der beständige Boykott einer „festen Beziehung“ mit Familie. Dahinter steht die Angst, sich selbst und den eigenen „Lifestyle“ aufgeben zu müssen, um Familie haben zu können.

Bei Eltern, die diesen alten Rollenvorbildern bereits nicht mehr gerecht werden konnten oder wollten und wo oft die Mutter den Vater oder die Familie als solches für ihr »Unglück« verantwortlich machte, ist das Beziehungsmuster häufig durch Bindungsangst gekennzeichnet.

Viele Frauen heute kennen von ihrer Mutter den Spruch: „Mach die nie abhängig von einem Mann“ 

Aber was bedeutet das genau? Für die Tochter ist die Schlussfolgerung: Beziehung bedeutet Abhängigkeit. Abhängigkeit ist schlecht. Also kann ich keine Beziehung haben.

Mögliche Schlussfolgerungen, die sich im Leben dann zeigen sind

  • Keine Beziehung zu haben bzw. immer wieder abzubrechen
  • Beziehungen wo „nichts passieren kann“ weil der Mann eigentlich gar keine Beziehung will
  • Beziehung zu Männern, den man kontrollieren kann – ein Mann der entweder wenig Selbstwert hat, finanziell abhängig ist oder ähnliches

 

Frauen nehmen Mütter unbewusst als Vorbild

Eine Langzeitstudie von Soziologen der Ohio-State-Universität, ergab dass gerade bei Töchtern das Beziehungsglück der Mutter starken Einfluss auf die die Beziehungen und die Liebe im Leben hat.  Entscheidend ist hier, wie die eigene Mutter ihre Beziehungen geführt hat.

Ob eine Mutter unglücklich oder glücklich liiert war,  wie viele wechselnde Lebensabschnittspartner sie hatte – all das hat Einfluss auf die  Beziehungsmuster der Töchter. 

Die Studie zeigt, dass es vor allem die Mutter ist, die ihre Beziehungsfähigkeiten an ihre Töchter weitergibt. Die Tochter schaut sich sozusagen von der Mutter die Fähigkeiten ab, die sie für einen Partner attraktiv machen, also z.B. die Fähigkeit Vertrauen aufzubauen, Nähe zu schaffen, Konflikte zu lösen und so weiter.

Hat sich die Mutter vom Vater oder allgemein von Männern schnell getrennt, steigt auch das Risiko der Tochter, sich schneller zu trennen. Konnte die Mutter schwer ihre Gefühle zeigen, neigt auch die Tochter dazu, sich unnahbare Partner zu suchen oder sich selbst emotional nicht in die Karten schauen zu lassen.  

War die Mutter in der Ehe unglücklich oder hat nicht geheiratet , ist die Wahrscheinlichkeit um 57 Prozent höher, dass auch die Tochter nicht heiraten wird. 

Ob wir wollen oder nicht: unsere Eltern haben Einfluss auf unsere Beziehungen

Wichtig ist dabei immer zu bedenken: All das beeinflusst uns – aber es bestimmt uns nicht. Es bedeutet nicht, dass wir keine Wahl haben oder dass wir so bleiben müssen. 

Alles, was wir als Kinder „gelernt“ haben, beeinflusst uns als Erwachsene. Wenn wir Dinge gelernt haben, die uns als Erwachsenen nicht mehr nützen, ist es erlaubt, dass wir sie verändern.

Der erste Schritt ist, dass wir es erkennen und dass wir es bewusst infrage stellen dürfen.

Wenn Du Dir Unterstützung zu diesem Thema wünschst, schau bei unseren Coaches – sie sind speziell für solche Themen geschult und helfen Dir sehr gerne weiter!