Wer passt zu mir? Eine Frage, die sich viele Singles bei der Partnersuche stellen: Wie finde ich einen passenden Partner bzw. eine passende Partnerin – jemanden, mit dem die Chance auf eine dauerhaft liebevolle, glückliche Beziehung möglichst garantiert ist?

Die Antwort auf diese Frage hat nicht allein mit der Partnerwahl zu tun – aber beginnen wir ganz vorn:

Der Unterschied zwischen Chemie und Kompatibilität

Wir alle haben solche Szenen hundertfach gesehen – und manchmal auch schon selbst erlebt: Frau trifft Mann und beide spüren sofort: Das hier ist es. Es funkt einfach.

Doch dieses „Funken“ sagt in der Regel absolut gar nichts darüber aus, ob diese beiden Menschen tatsachlich für eine Partnerschaft miteinander geeignet sind. Dieses „gewisse Etwas“, das wir bei jemandem spüren, ist lediglich „Chemie“. Und diese Chemie besteht aus einem ziemlich unübersichtlichen Cocktail aus:

Pheromonen
– Prägungen
Glaubenssätzen
– Traumata
– Erinnerungen
– Unbewusster Bedürfnisse

Wenn wir uns verlieben, bedeutet das letztlich nämlich meistens nichts anderes, als dass ein anderer Mensch in uns irgendwelche unbewussten Muster triggert, die mehr mit uns selbst zu tun haben, als mit ihm: Wir fühlen uns unwiderstehlich angezogen von Menschen, die unbewusste Themen in den Tiefen unseres Selbst zum „Schwingen“ bringen.

Man müsste also häufig ehrlicherweise anstatt „Ich liebe Dich“ eher sagen: „Ich liebe die unbewussten Inhalte, die Du bei mir triggerst“. Nicht sehr romantisch, oder?

Wer passt zu mir?

Berufen wir uns bei der Partnerwahl nur auf die Chemie und das Gefühl von Verliebtheit und Anziehung, verlieben wir uns häufig in Menschen, die etwas in uns ansprechen, an das wir aus uns selbst heraus nicht herankommen oder etwas, wovor wir uns in Wahrheit sogar fürchten. Nur sind nicht das unbedingt die Menschen, die mit uns kompatibel und für eine liebevolle, dauerhafte Partnerschaft geeignet sind.

Das Missverständnis

Leider lernen wir durch Serien, Filme und Bücher häufig, dass diese „schicksalhaften Begegnungen“ und die großen Gefühle stets darauf hindeuten, dass hier die große Liebe und damit auch das Beziehungsglück winke.

Und so ignorieren viele Singles (beiderlei Geschlechts) bei der Partnerwahl sämtliche Warnsignale und auch jegliche Realität oft so lange, bis man vor einem großen Scherbenhaufen steht: enttäuschte Hoffnungen, unerwiderte Gefühle und nutzlose Bemühungen…

Und dann ist die Liebe schuld… oder es heißt: „Der andere hat mich verletzt“. Dem ist mitnichten so: Die/der andere ist nur nicht so geworden, wie wir es uns erhofft haben. Er oder sie hat sich geweigert, unsere Bedürfnisse zu erfüllen – egal wie sehr wir uns bemüht, egal wie sehr wir manipuliert haben.

Und das ist dann eigentlich auch schon alles.

Warum es nicht nur am „falschen Partner“ liegt

Man könnte durchaus sagen, dass diese „instinktive Wahl“ anhand der unbewussten Kriterien auch ihr Gutes hat, denn eine Sache, die die Partnerwahl häufig sehr stark beeinflusst ist die Übertragung von konfliktbehafteten Beziehungserfahrungen aus der Kindheit.

Soll heißen: Viele Singles wählen gar nicht unbedingt den „falschen Partner“. Sie beantworten sich die Frage „Wer passt zu mir?“ unbewusst nur häufig mit Antworten wie: „Ein/e Partner/in, der ähnlich verschlossen und unerreichbar ist, wie mein Vater / meine Mutter“ oder „Ein Mensch, bei dem ich wieder das Gefühl habe, dass ich es nie recht machen kann, wie bei….“ und ähnliches.

Wir wählen unbewusst häufig Menschen, die das Potential haben, uns in ähnliche Situationen zu bringen, wie solche, an denen wir in unserer Kindheit gelitten haben und verzweifelt sind. Dies tun wir, weil wir uns ein „Happy End“ erhoffen: Wir glauben, wenn wir uns bei einem solchen Partner genug bemühen, geht die Geschichte diesmal gut aus. Wir könnten ein neues, besseres Ende schreiben.

Leider ist es sehr häufig unser unbewusstes Trauma und damit unser Verhalten und unsere Ausstrahlung, die das Gegenüber darin bestärkt, genau die Art von Mensch zu werden, die uns (wieder einmal) enttäuscht.

Ein wichtiger Punkt für eine bessere Partnerwahl wäre daher Arbeit an den eigenen „wunden Punkten“. Das ermöglicht dann entweder „Chemie“ mit einem kompatibleren (weil weniger problematischen) Gegenstück oder sinnvolle Beziehungsarbeit in der Beziehung.

Wer passt wirklich zu mir?

Tatsächlich ist unsere Grundmotivation für alles, was wir entscheiden und tun, dass wir glücklich sein wollen (oder zumindest nicht unglücklicher werden) – ob es uns nun bewusst ist oder nicht:

Jeder Urlaub, den wir planen. Jedes Jobangebot, das wir abwägen. Jeden Wohnort, den wir wählen… alle wichtigen Entscheidungen unseres Lebens haben Kriterien, die uns mehr oder weniger bekannt sind:

  • Im Urlaub entscheiden wir vorher, ob uns Wärme oder Kühle lieber ist, Ausruhen oder Aktivität, Kultur oder Kommerz.
  • Beim Studium und Job überlegen wir, wo unsere Talente liegen, unsere Interessen und unsere Möglichkeiten.
  • Beim Wohnort entscheiden wir z.B. über die Nähe zum Arbeitsort, über Stadt oder Land, Wohnung oder Haus mit Garten nach unseren Vorlieben und unserem sozialen Umfeld.

Entscheidend für all diese Erwägungen ist, wie wir uns damit fühlen: Fühle ich mich unwohl in der Großstadt, ziehe ich früher oder später aufs Land.

Nur bei der Partnersuche haben wir zwar Ideen, wie die/der andere sein sollte, doch am Ende entscheidet die Chemie… selbst wenn die Chemie es mir beschert, dass mein Partner vielleicht überhaupt nicht zu mir und meinen Zielen im Leben passt.

Niemand würde auf die Idee kommen zu versuchen, die Stadt, in der er lebt, an seine Bedürfnisse anzupassen oder ein beständiges Unwohlsein zu ignorieren und zu entschuldigen… in einer Partnerschaft machen das viele Menschen andauernd.

Tipps für die sinnvolle Partnersuche

Oft glauben wir zu wissen, wie jemand sein soll, damit er/sie wirklich passt. Doch vieles davon sind Wünsche, die unsere Defizite ausgleichen sollen oder die sich an Rollenvorbildern orientieren, die wir heute in unserem täglichen Leben gar nicht mehr brauchen.

Eine Partnerschaft hat eine gute Chance auf eine liebevolle Langlebigkeit, wenn folgende Übereinstimmungen gegeben sind:

  1. Wer passt zu mir in Sachen Werte? Was ist Dir wirklich wichtig im Leben? Worauf legst Du Wert? Welche inneren Haltungen bestimmen Dein tägliches Handeln? Ähnliche Werte geben eine harmonische Basis.
  2. Wer passt zu mir in der Vorstellung der Partnerschaft? Möglichst gleiche Vorstellung, was Beziehung bedeutet und wie sie gelebt werden soll: Möchte man zusammen wohnen oder lieber getrennt? Monogam sein oder offen? Heiraten? Kinder?
  3. Wer passt sexuell zu mir? Kompatible Vorlieben und Vorstellungen in der Sexualität: Was magst Du und was nicht? Was willst Du tolerieren und was nicht? Wieviel Nähe und Intimität möchtest Du teilen?
  4. Wer passt zu mir in Sachen Humor? Ein ähnlicher (und möglichst viel) Humor – denn das ist erwiesenermaßen das Rezept für eine bessere und schnellere Konfliktlösung in der Partnerschaft.

Mach Dir selbst klar, was Du Dir persönlich von einer Partnerschaft erhoffst:

  • Wie willst Du sein dürfen und können?
  • Wie möchtest Du Dich fühlen und geben können?
  • Welche „Rollen“ möchtest Du einnehmen?
  • Was möchtest Du und kannst Du geben?
  • Was kannst und willst Du annehmen?

Du kannst der Mensch, der Du gerne wärst in vielen Belangen nur sein, wenn da jemand ist, der Dich lässt. Beispielsweise, wenn Du romantisch, zärtlich oder großzügig sein möchtest. Umgekehrt kann Dein/e Partner/in nur der Mensch sein, der er/sie sein möchte, Du sie/ihn lässt – wenn Du z.B. Geschenke oder Unterstützung annehmen kannst…

Klarheit über diese Punkte zu haben, gibt Dir noch keine endgültige Antwort aber deutlich mehr Klarheit zur Frage „Wer passt zu mir?“. Denn Du selbst kannst jederzeit wählen, ob der passende Partner der ist, der Deine geheimen, wunden Punkte triggert oder der, mit dem Du eine gute, harmonische Partnerschaft haben kannst.

Und vielleicht kann es ja sogar sein, dass das Eine das Andere gar nicht ausschließt…

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