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Mansplaining: Wenn Männer (ungefragt) die Welt erklären

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Was ist Mansplaining?

Bei Mansplaining handelt es sich um ein Kofferwort. Es vereint die beiden englischen Wörter „man“ (Mann) und „explaining“ (erklären). Nun ist das Erklären an sich ja nichts Schlechtes. Wenn es denn auf Nachfrage geschieht und zu einem Dialog zwischen zwei Personen und einem sachlichen Austausch führt. Mansplaining bezeichnet jedoch eine kulturelle Praxis, bei der genau das nicht der Fall ist. Um welchen Kontext geht es in diesem Fall?

 

So wurde der Begriff erfunden

„Erfunden“ wurde der Begriff Mansplaining von der amerikanischen Kulturhistorikerin und Journalistin Rebecca Solnis. Bei einer Feier wird diese vom Gastgeber abgefangen und erlebt eine Sache, die kaum einer Frau nicht bekannt sein dürfte. Der ältere Mann beginnt ein Gespräch über ihre berufliche Arbeit. Dabei vertauscht er die tatsächlichen Rollen. Anstatt die Expertise seines Gegenübers anzuerkennen, setzt er selbst zum Vortrag an. 

Er unterbricht sein weibliches Gegenüber und behandelt die Frau wie ein Kind. Obwohl er selbst kaum Ahnung vom Thema hat, trägt er seine banalen Bemerkungen im Brustton der Überzeugung vor. Seine Erklärung der Welt könnte so auch am Stammtisch vorgetragen werden. Eine inhaltliche Rückmeldung will er dazu nicht haben. Stattdessen soll sein Gegenüber schweigen und seine Rolle als Experte bestätigen. Er heischt nach Anerkennung. Gleichzeitig gehen Mansplainer offenbar in Gesprächen mit Frauen grundsätzlich davon aus, dass sie selbst mehr Ahnung vom Thema haben und referieren müssen.

Wie viele andere Frauen (und ich auch) hat Rebecca Solnis diese Art des Monologs nicht das erste Mal erlebt. An diesem Tag ist sie jedoch besonders genervt. So setzt sie sich an den Schreibtisch und verfasst einen Essay über das Phänomen. Er erscheint unter dem Titel „Men Explain Things to Me“ und bringt das Geschehen unter dem Begriff „Mansplaining“ auf den Punkt. Weltweit wissen Frauen von ähnlichen Erlebnissen zu berichten. Nicht nur in den sozialen Netzwerken wird das Wort aufgegriffen. Es erhält Einzug in den alltäglichen Sprachgebrauch. Mittlerweile wurde es sogar in das Oxford English Dictionary aufgenommen.

 

Ist es Mansplaining?

Mach den Check! Autorin und Fotografin Kim Goodwin hat – auf Nachfrage vieler ihrer männlichen Kollegen ein Flowchart erstellt, das wir für Dich übersetzt haben.

Wenn Du Dich fragst: Ist das, was ich da gerade tue, etwa schon Mansplaining? Dann kannst Du es mit Hilfe dieser Grafik sehr einfach herausfinden! 

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Mansplaining als Alltagspraxis

Mansplaining kommt in ganz verschiedenen Kontexten vor und auch ich selbst habe es schon sehr häufig erlebt. Es war etwa 1998, da hatte ich eine damals sehr ungewöhnliche Idee: Ich bemerkte, dass viele Männer nur sehr wenig darüber wussten, wie man eine Frau anzieht und verführt oder sie in einer Beziehung glücklich machen kann. Und so entschied ich, “Datingcoaching” anzubieten. Ich inserierte in den Kontaktanzeigen der Stadtmagazine die Möglichkeit, sich coachen zu lassen. Dies war der Grundstein meiner späteren Entwicklung zum Beziehungscoach für Singles

Ich mache das also schon weit über 20 Jahre und es gibt kaum jemanden in Deutschland, der sich länger und intensiver mit dem Thema Coaching für Singles auseinandersetzt als ich. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass es weltweit nur sehr wenige Menschen sind, die eine längere und tiefere Expertise haben. Dennoch passiert es mir immer wieder, dass ich auf Veranstaltungen Sätze höre wie: “Ach, Du coachst Singles? Dann musst Du …. tun!” oder “Denen musst Du folgendes sagen:…” – und das ausnahmslos von Männern.

Auch wenn ich ein Problem mit meinem Computer oder meinem Handy habe, werde ich von Männern meistens angesprochen, als sei ich geistig zurückgeblieben. Das kann ich deshalb sagen, weil ich in meiner vorletzten Festanstellung auch die IT-Beauftragte war und danach in 19 Jahren Selbständigkeit gelernt habe, mir selbst zu helfen. Während mein Mann sich nur mit Technik auskennt, die Musik macht, bin ich also der Computer-Experte im Haus. Dennoch gehen IT-Dienstleister mit ihm anders um und trauen ihm mehr zu, als mir. 

Dr. Paula Stone Williams ist eine Transgender Frau (also eine Frau, die früher einmal ein Mann war und ihr Geschlecht verändert hat) und erzählt in ihrem Ted Talk “I’ve lived as a man & a woman — here’s what I learned” dass sie mit ihrer Geschlechtsumwandlung zur Frau offenbar dumm geworden sei: Sie dachte, es sei wohl der Verlust von Testosteron und die Ankunft von Östrogen, das dazu führte, dass sie die Gehirnzellen eingebüst hätte, die nötig wären, um ein vollfunktionsfähiges menschlichen Wesen zu sein. Entweder das – oder sie sei so schlau, wie sie immer war, nur dass sie jetzt beständig dem Phänomen Mansplaining ausgesetzt sei, weil sie jetzt auch äußerlich wie eine Frau aussieht.

Hier kannst Du Dir ihren Ted Talk in voller Länge anschauen:

 

Umgang mit Mansplaining

Während man auf einer Party dem Männermonolog noch ausweichen kann, ist das im Beruf nicht immer so einfach. Noch schwieriger wird es beim Dating. Vielen Männern ist der Erklärmodus in Fleisch und Blut übergegangen. Sie fallen auch beim ersten Flirt in die paternalistische Praxis. Manche Frauen nehmen das nicht ohne Grund als Red Flag wahr.

Wer immer wieder in diesen Modus des Belehrens hineinfällt, zeigt dadurch nicht etwa hohes Fachwissen, Souveränität oder Kompetenz: Er beweist vielmehr die Unfähigkeit, ein Gespräch auf gleicher Augenhöhe zu akzeptieren. Wenn dir dieses Problem beim Daten begegnet, hast du drei Möglichkeiten:

  1. Entweder du hältst direkt dagegen und zeigst dem Mann, dass er Dir nichts zu erklären braucht,
  2. Du kannst das Phänomen Mansplaining auch direkt beim Namen nennen und thematisieren,
  3. Oder drittens gibt es schließlich die Möglichkeit, den Typen einfach direkt abzuschreiben.

Es gibt Möglichkeiten für Frauen, mit Mansplaining umzugehen. Zunächst ist es wichtig, die eigene Rolle im Gespräch zu stärken. Wenn er dich permanent unterbricht, solltest du dir das Wort wieder nehmen. Mach ihn darauf aufmerksam, dass du nicht mitten im Wort unterbrochen werden möchtest und dies keine höfliche Gesprächspraxis ist. Ein einfacher Hinweis kann bereits zu Veränderungen im Gesprächsverhalten führen. Bei anderen Männern musst du vielleicht hartnäckiger agieren. 

Ich plädiere immer dafür, das Ganze erstmal humorvoll zu nehmen – und auch dabei gibt es Möglichkeiten, dem “Welterklärer” zu zeigen, dass er sich gerade nicht mit Ruhm besudelt. 

 

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Witzige und schlagfertige Reaktionen auf Mansplaining

Wenn ein Mann dir etwas erklärt, dass du (selbstverständlich) schon weißt, dann frag ihn einfach: “Ja, wann hast du das gelernt?” wenn er dann so etwas antwortet wie: “Naja – das ist ja eher Allgemeinwissen. Sowas weiss man halt” dann frag ihn: “Wie kommst du dann darauf, dass ich es nicht wissen würde?”

Wenn Dir jemand etwas mansplained, dass sogar nicht mal ganz richtig ist, sag einfach: “Mh, das ist fast richtig. Leider nur fast.” oder: “Ja, du bekommst langsam eine leise Ahnung davon…” Und dann erst mal nichts mehr. Dann muss Dein Gegenüber zwangsläufig nachfragen und Du kannst ihm erklären, dass Du Dich mit der Materie schon X Jahre beschäftigt hast und wie es wirklich ist. 

Du könntest auch sagen: 

  • Super, die Basics hast du offenbar verstanden. Brauchst du noch weitere Erklärung von mir dazu?
  • Und das hast du ganz alleine herausgefunden? Nicht übel für einen Laien!
  • Es klingt, als hättest du das meiste davon verstanden. Ist dir noch irgendwas unklar?
  • Dein Kommentar lässt mich fragen, ob es hilfreich sein könnte, dir meine Qualifikation / Erfahrung zu erläutern. 

Stell Fragen: 

  • Welchen Hintergrund hat er und welches Wissen über das Thema?
  • Was hofft er zu erreichen, indem er dir seine “Expertise” gibt?
  • Hat er persönliche Erfahrungen für seine Sicht der Dinge?
  • Frag direkt nach seiner Qualifikation, mit der er dir DEINE Erfahrungen erklärt

Stelle dabei allerdings auch sicher, dass du wirklich weisst, wovon du redest – das wäre doch ziemlich peinlich, oder?

Nur selten hat man so viel “Glück” beim “gemansplained werden” wie die Schmerz-Neurowissenschaftlerin Tasha Stanton: Auf einer Konferenz sagte ihr ein Mann, sie sollte sich für ihr Fach unbedingt mal durchlesen, was Stanton über Schmerz herausgefunden hätte. Sie schaute ihm in die Augen, strich ihre langen Haare nach hinten, die ihr Namensschild verdeckt hatten und antwortete: “Ich. Bin. Stanton!”  – dann schenkte sie ihm ein breites Lächeln und nach einem Moment peinlicher Stille mussten beide lachen.  

“Freunde auf Konferenzen – bitte geht nicht davon aus, dass die Leute, mit denen ihr sprecht, nichts wissen.” Twitterte sie später darüber und wurde tausendfach geteilt.

 

Auch nervig: “Hepeating”

Wenn jemand dir quasi wiederholt, was du gerade erzählt hast, bezeichnet man das als “Hepeating”: eine Mischung aus “He” (Er) und “repeating” (wiederholen). In einem solchen Fall kannst Du einfach sagen: “Ja, genau so ist es. Ich freue mich, dass Du das direkt verstanden hast. Gut gemacht!”

Oder Du sagst:

  • Ich freu mich, dass du dir das selbst nochmals erklären konntest – das ist eine tolle Art, sich einfache Sachen besser zu merken.
  • Klar, das ist eine andere Art, das auszudrücken

Es gibt Männer, die tatsächlich versuchen, deine Ideen als ihre anzubringen in der Hoffnung, dass ihre Präsenz vergessen lässt, dass du die Quelle der Idee warst. Aber manchmal ist es auch einfach eine Art “Reflex”. Je klarer du bist und zeigst, dass du dir die Butter nicht vom Brot nehmen lässt – ohne dabei nervös oder pampig zu werden, umso weniger wird sich jemand mit dir anlegen.

Beobachte außerdem Dein eigenes Gesprächsverhalten:

Verwendest du sogenannte Weichmacher in deinen Ausführungen? Wörter wie „vielleicht“, „möglicherweise“, „mehr oder weniger“ oder auch “ein bisschen” und “irgendwie” können Mansplainer zu ihren Einlassungen motivieren. Es wirkt, als wärst du nicht ganz sicher. Lass diese Relativierungen weg und beziehe klar Position, wenn du es tatsächlich weißt. Wenn dich das unsicher macht, wähle einfach einen freundlichen Unterton. Wer am Gespräch interessiert ist, wird sich nicht an klaren Positionen stören.

Und teile gerne Deine Erfahrungen mit uns in den Kommentaren!

Wo bist Du schon mal „gemansplaint“ worden? Was war das seltsamste, was Du in dieser Art erlebt hast?

Schreib gerne Deine Erfahrungen in die Kommentare.

 

Als Mann bewusst kommunizieren

Du möchtest als Mann dein Kommunikationsverhalten verbessern? Auch dazu gibt es hilfreiche Tipps.

Wie das Chart schon zeigt: Erkläre nur dann ausführlich, wenn du auch darum gebeten wirst. Frage deinerseits nach, was das Gegenüber von einem bestimmten Thema hält. Lege deine eigene Unwissenheit oder Unsicherheit offen. Denn während unter Männern das Prinzip “dicke Hose” gut ankommt, fliegt es bei Frauen schnell auf und sorgt für Ablehnung. Mit ehrlichem Interesse und Rückfragen können oft auch zurückhaltende Frauen aus der Reserve gelockt werden. Du wirst überrascht sein, wie viel Expertenwissen in ein Gespräch einfließen kann, wenn ein echter Austausch stattfindet. Zuzugeben, dass man etwas nicht weiß, gilt nämlich nicht als Schwäche: Du beweist damit im Gegenteil deine Reflektionsfähigkeit. 

Deshalb lohnt sich kommunikative Wertschätzung

Denk immer daran, dass Mainsplaining immer noch zur kulturellen Praxis unserer Gesellschaft gehört. Sie wird immer noch von zu vielen Männern ausgeübt und zu wenigen Frauen abgewehrt. Wir müssen folglich alle daran arbeiten, unser Redeverhalten miteinander zu verbessern. Wenn wir gemeinsam daran arbeiten, uns besser zu verstehen, werden wir dafür aber auch alle belohnt:

Ein authentisches Gespräch wird von beiden Seiten als angenehm wahrgenommen. Es führt im Beruf zu guter Zusammenarbeit. Beim Dating sorgt es dafür, dass man mehr über sein Gegenüber erfährt und schönere Flirts erlebt. Im Leben sorgt eine gute Kommunikationskompetenz dafür, dass wir schnell offene Kontakte zu anderen Menschen knüpfen. Alle diese Dinge bringen Dir mehr Lebensqualität ein. Es lohnt sich also für alle Seiten, Mansplaining abzulegen.

 

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